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Stefan à Wengen

Stefan à Wengen gehört zu den bedeutenden figurativen Malern der Gegenwart im deutschsprachigen Raum. Begegnet man seinen Bildern, erkennt man sie sofort: Altmeisterlich in stupender Qualität und exzellenter Technik steht das Motiv in überwiegend dunklen, schwarzbraunen oder grauen Farben auf der Bildfläche. Obwohl die Gemälde sich auf den ersten Blick sofort erschließen, bleibt bei näherer Betrachtung immer ein irritierender Vorbehalt. Das Pferd steht auf Rädern, die historische Kleidung trägt ein Affe, das Motiv glaubt man zu kennen. Das Irritationsmoment sorgt für das geistige Innehalten, den zweiten Blick, der für die Bilder so wesentlich ist.

à Wengen, der aus einer Basler Malerfamilie stammt, zitiert Topoi aus dem kulturellen Bildgedächtnis der westlich-europäischen Gesellschaft. Er befragt die Authentizität und Verlässlichkeit unserer Erinnerung, unsere Fähigkeit zu interpretieren und zu verstehen und auch die Fähigkeit der Bilder zu erzählen, indem er die Motive in neue Zusammenhänge collagiert. Das Zitat wird ahnungsvoll statt gewiss und die neue Lesemöglichkeit bleibt offen. Joseph Freiherr von Eichendorff hat 1835 in seinem Vierzeiler „Die Wünschelrute“ just dieses Ahnen ausgedrückt:

„Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.“

Wo der Dichter das Wort treffen muss, um die träumenden Dinge zu wecken, da trifft Stefan à Wengen die bildliche Gestaltung des Motivs und erzählt es neu. Ahnungsvoll lässt er es in der Dunkelheit stehen, einsam, spannungsvoll und bisweilen unheimlich. Das Lied, das Stefan à Wengen in den Dingen weckt, erzählt vom Befremdlichen, von Tod, Melancholie, Existenz, Sexualität, Angstlust und dem Unheimlichen.

Dass er im Unheimlichen die nicht sichtbaren Abgründe andeutet, die nötig sind, um die sichtbare Welt entstehen zu lassen, dass z.B. der Tod nötig ist um den Wert des Lebens zu begreifen, teilt er mit der Schwarzen Romantik. Sie erzählte vor Allem im 19. Jahrhundert vom irrationalen Spektrum als Möglichkeitsraum und konzentrierte sich auf die Loslösung von Erklärbarkeit. Das ahnungsvoll Unbewusste ist hier wie dort ein riesiges Reservoir voll verborgener Erinnerungen, Erfahrungen und Wünsche. Was kann interessanter sein als dies?

Dabei ist das Bild eines Schädels zuallererst nur das Bild eines Schädels. Aber dem Betrachter gilt er zugleich als allgemein gebräuchliches Bild für den Tod – als Topos.

Friedrich Schiller hat sich 1793 mit der Frage nach dem Zweck des unheimlich-Ahnungsvollen auseinandergesetzt:

„Das Erhabene [Anm.: das Schreckliche] verschafft uns also einen Ausgang aus der sinnlichen Welt, worin das Schöne uns gern immer gefangen halten möchte. Nicht allmählich (denn es gibt von der Abhängigkeit keinen Übergang zur Freiheit), sondern plötzlich und durch eine Erschütterung reißt es den selbstständigen Geist aus dem Netze los, womit die verfeinerte Sinnlichkeit ihn umstrickte, und das um so fester bindet, je durchsichtiger es gesponnen ist. […] Vernunft und Sinnlichkeit stimmen nicht zusammen und eben in diesem Widerspruch zwischen beiden liegt der Zauber, womit es unser Gemüt ergreift.“

Für Schiller führt der Schrecken, da er den Betrachter ruckartig aus seiner Lethargie reiße, in den Moment der Reflektion und damit in die geistige Unabhängigkeit. Mit den zitierten Topoi in den Bildern, dem Gefühl, eine Erinnerung an das Motiv zu besitzen, dem unweigerlichen Versuch der Interpretation schafft Stefan à Wengen einen ähnlich reflektierenden Moment: Er lotet die Grenzen der Universalität der Kunst aus. Ist Kunst eine allgemeingültige Sprache? Sind die Bilder lesbar und wenn ja, was erzählen sie?

Schlussendlich steht die Universalität der Kunst in Frage. Der Betrachter schaut in einen Spiegel und sieht in einem dunklen Wort. Stefan à Wengen bringt das Lied zum Klingen, das in den Dingen schläft. Allein, die Melodie, die wir hören, unterscheidet sich bei jedem Einzelnen.

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