Eröffnung: Samstag, 14. März ab 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 17. März bis 9. Mai 2026
Verena Freyschmidt, Herbert Hinteregger insert "cerebrum eins" von Myriam Holme, Harald Kröner
Die Gruppenausstellung The lines between versammelt vier künstlerische Positionen, die das Medium Papier, den Prozess des Zeichnens und das Phänomen Licht als Felder des Denkens und der Wahrnehmung begreifen. Im Zentrum stehen Linien und ihre Zwischenräume: zwischen Spur und Form, Material und Immaterialität, Struktur und Bewegung. Papier fungiert nicht nur als Träger, sondern als aktiver Resonanzraum. Licht erscheint als immaterielles Gegenüber, das das Sehen und seine Bedingungen befragt.
Verena Freyschmidt zeigt Arbeiten aus ihrer Serie Rhizome, in denen sich Zeichnung zu einem offenen, zirkulären System entfaltet. Durch wiederholte Setzungen, Überlagerungen und feine Verschiebungen entstehen Geflechte, die an biologische oder geologische Strukturen erinnern: Netze ohne Zentrum, Räume ohne feste Orientierung. Freyschmidt reflektiert den Prozess des Zeichnens selbst – als gedankliche wie körperliche Bewegung, in der sich Kontrolle und Zufall wechselseitig durchdringen. Ihr Umgang mit Papier bleibt zugleich analytisch und sensibel: Linien und Leerstellen, Spannung und Atmung treten in ein präzises Gleichgewicht. Das Blatt wird zum Denkraum, indem inneres Wachstum sichtbar wird.
Herbert Hinteregger insert "cerebrum eins“ von Myriam Holme. Transformation, Reduktion, Kontemplation und Konzentration sind Ebenen des prozessualen und konzeptuellen Malansatzes von Herbert Hinteregger. Während er in früheren Arbeiten häufig mit Kugelschreibertinte als Malmaterial arbeitete, erzeugt er in seinen aktuellen Papierarbeiten Linien aus verschiedenen Klebebändern in leuchtenden Neontönen (Zeichnen mit Klebeband), die er auf Kartonträger appliziert. Diese Setzungen folgen keiner erzählerischen Logik, sondern strukturieren den Bildraum rhythmisch und energetisch. Der Einsatz dieses Materials, welches aus dem Malprozess der Bilder entnommen ist, führt die Linie in die Fläche und zugleich in den Raum – eine Fortführung von Raumzeichnungen aus Klebeband, die Hinteregger 2020 bei Bernhard Knaus Fine Art, Frankfurt oder 2022 bei Galerie Lombardi-Kargl, Wien realisierte. Im Spannungsfeld von Materialität, Farbe und Licht wird die Linie hier zur Grenze und zum Übergang zugleich. Für die Ausstellung hat er die Künstlerin Myriam Holme eingeladen, mit einer Arbeit auf Fahnenstoff in den Dialog zu treten. Ihr transluzentes Gewebe, überzogen mit aufgesprayten Neonlinien, setzt Hintereggers materieller Dichte ein leichtes, atmendes Gegenüber entgegen. Beide Werke thematisieren Farbe als physische Spur – bei Hinteregger verdichtet, bei Holme flüchtig – und öffnen so ein Nachdenken über Dauer, Transformation und Wahrnehmung.
Harald Kröner untersucht in seinen Papierarbeiten die Linie als Trägerin von Bewegung, Sprache und Erinnerung. Seine großformatigen Blätter verbinden Schichtung, Überlagerung und rhythmische Struktur zu vibrierenden Feldern, in denen der zeichnerische Prozess sichtbar bleibt. Kröner begreift Zeichnung als Sprache des Denkens – präzise, offen, prosaisch. Dieses Prinzip überführt er in seine Neonarbeiten, in denen Licht zur Fortsetzung der Linie im Raum wird. Leuchtende Linien und Wortspiele schweben zwischen Lesbarkeit und Abstraktion. Die Geste des Zeichnens transformiert er mit Hilfe der Leuchtschriften in Energie und räumliche Präsenz. Zwischen Papier und Licht entsteht ein Spannungsfeld, in dem sich Zeichen, Bewegung und Wahrnehmung gegenseitig spiegeln.
Im Zusammenspiel entfalten die Arbeiten von Freyschmidt, Hinteregger mit Holme und Kröner ein präzises Nachdenken über Material, Linie und Zwischenraum. The lines between bezeichnet die Linien selbst und die Beziehungen, die sich zwischen ihnen bilden. Gemeint sind Spannungen, Übergänge und Resonanzen, die durch Setzung, Überlagerung und Licht entstehen. Die Ausstellung richtet den Blick auf Wahrnehmung als Prozess. Sichtbares und Unsichtbares stehen dabei nicht im Gegensatz, sondern treten in ein Verhältnis. Die Linie erscheint als Grenze und Verbindung zugleich, als Spur im Papier und als Präsenz im Raum. In ihr verdichten sich Bewegung, Denken und Licht.