Eröffnung: 26. November 2026, 18 - 20 Uhr
Die Ausstellung „Outside the box“ versammelt drei zentrale Werkgruppen von Sébastien de Ganay: Grids, Cartons und Folded Flats. Gemeinsam offenbaren sie sein anhaltendes Interesse an Wahrnehmung, Materialität und der Erweiterung des Bildbegriffs. Der Titel benennt eine Haltung, die viele Arbeiten prägt: das Spiel von Leichtigkeit und Schwere, Vergänglichkeit und Beständigkeit, Gestik und Struktur. Zugleich trägt er eine spielerische Dimension: Was zunächst wie eine vorgefundene, industrielle Form erscheint, wird durch Verformung, Farbe, Licht und räumliche Setzung in einen neuen Zustand überführt. Die „Box“ ist dabei nicht nur der Karton, das Raster oder das tragende Stahlgerüst, sondern auch die gewohnte Vorstellung davon, was Malerei, Skulptur oder Design sein können.
Im Zentrum der Schau stehen die neu entstandenen Kimono Grids und Doodle Grids (2024–2026), zwei aktuelle Untergruppen der Werkserie Grids. In ihnen intensiviert de Ganay seinen Ansatz, industrielle Materialien aus ihrer funktionalen Bestimmung zu lösen und in neue räumliche Zusammenhänge zu überführen. Die Kimono Grids entwickeln die Falte als tragende Bildfigur weiter; die Doodle Grids verformen demgegenüber die strenge Geometrie von Baustahl-Skeletten, die eigentlich als Tragwerke von Betonbauten dienen würden. So erhalten sie den Anschein gestischer Zeichnungen und freier Skizzen.
Rückseitig fluoreszierend bemalt, werfen die Grids farbige Reflexe an die Wand und lassen die Zwischenräume farbig aufleuchten – nicht durch Elektrizität, sondern durch die Leuchtkraft des Pigments. Das konstruktive Skelett wird zur Zeichnung im Raum: Was einst Gewicht tragen sollte, wird nun selbst zum Träger von Farbe, Reflexion und Imagination. Malerei, Skulptur und Architektur überlagern sich, ohne sich gegenseitig aufzulösen; ihre Grenzen werden vielmehr verschoben, geöffnet und neu verhandelt.
Explizit setzt de Ganay diese aktuellen Arbeiten in Beziehung zu früheren Cartons. Bereits dort interessierte ihn der Karton nicht als bloßes Verpackungsmaterial, sondern als offene Struktur: als flüchtige Skizze, tragende Form und räumlicher Körper zugleich. Die Grids führen diese Denkfigur weiter. Der industriell vorgefertigte Stab wird aus seinem funktionalen Kontext gelöst, gebogen und bemalt. Der Titel „Outside the box“ beschreibt damit sowohl eine künstlerische Methode als auch eine Einladung an den Betrachter: vertraute Ordnungen zu öffnen, ohne sie zu verleugnen, und gewohnte Kategorien des Sehens hinter sich zu lassen.
Ergänzt wird die Präsentation durch Arbeiten aus der Serie der Folded Flats, in denen de Ganay alltägliche Formen wie Post-its, Kartons in Aluminium-Reliefs übersetzt. Die Faltung wird dabei zu einer wesentlichen Form in seinem Werk: Faltenlinien fungieren als Kontaktstellen und Grenzen, die es ebenen Flächen ermöglichen, sich einander anzunähern oder voneinander zu trennen. Diese Arbeiten erinnern an die Shaped Canvases der Minimal Art, oszillieren jedoch zwischen Fläche und Volumen, zwischen Bildträger und Gebrauchsform. Das Alltägliche wird nicht bloß zitiert, sondern in ein neues Material und eine neue räumliche Logik übersetzt: Die Fläche wird in den Raum gefaltet, in den Raum überführt und als Relief geöffnet.
Die Verwendung der Faltung und der abstrakten Form des Kartons kehrt in de Ganays Werk in verschiedenen Zyklen wieder, etwa in den Carton Chairs und Carton Tables. Sie verbinden Zeichnung, Architektur, Objekt und Gebrauch – und machen sichtbar, dass bei de Ganay Form niemals endgültig festgelegt ist.
Sébastien de Ganay (*1962, Boulogne-Billancourt/FR) zählt zu den originellsten Vertretern experimenteller Malerei und Skulptur der Gegenwart. Seit den 1980er-Jahren, beginnend mit seiner künstlerischen Tätigkeit in New York, hinterfragt er konsequent die Prozesse des Sehens und Denkens und erweitert die Grenzen zwischen Bild, Relief, Objekt und Design. Heute lebt und arbeitet er in Bad Deutsch-Altenburg bei Wien.
Sein Werk ist in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten. Die Galerie Bernhard Knaus Fine Art präsentiert aktuelle Arbeiten des Künstlers, die sein Interesse an Wahrnehmung, Materialität und der Erweiterung des Bildbegriffs unterstreichen.