Kyungwoo Chun



VERSUS (2006-2007) ist inspriert von dem alt-koreanischen und chinesischen Zeichen ´Ren(人)´, das ´Mensch´ bedeutet. Das Wort wurde aus der Form von laufenden Menschen oder zwei Beinen adaptiert, da man glaubte, dass man ohne eine zweite Person oder einem zweiten Bein nicht alleine stehen kann.
In der fotografischen Serie VERSUS, die 2006-2007 entstanden ist, hat Kyungwoo Chun jeweils zwei junge Frauen gebeten, sich gegenseitig an den Schultern anzulehnen und das Gewicht der anderen Person zu stützen. Während in dieser Pose ein Bild mit extrem langer Belichtungszeit entstand. Die Zeit dauerte je nach Alter der fotografierten Person von 17 bis zu 45 Minuten.
Auf diese Weise erhielten diese beiden Personen die Möglichkeit, sich für eine bestimmte Zeit ganz nah zu sein und einen fremden Körper zu berühren. Da alle die gleiche Aufgabe hatten, fühlten sie sich einander verbunden. Die beiden Personen, die sich an den Schultern stützten waren abhängig voneinander, sich gegenseitig unterstützend oder belastend, je nachdem, wie sich ihre kurze Beziehung entwickelte.
Chun hat die Situation so inszeniert, dass man zwangsläufig entweder jemanden belasten und jemandem vertrauen muss. Ironischerweise kann man nur durch das Gesicht eines anderen sein eigenes erkennen.
Bei den performativen und experimentellen Fotoarbeiten von Chun, die er seit Mitte der 90er Jahre realisiert, bekommt die fotografierte Person vor der Kamera immer eine aktive und bewusste Rolle, im Gegensatz zur herkömmlichen Fotografie, in der die fotografierte Person eine passive Modell-Rolle spielt. Durch die extreme lange Belichtungszeit verliert man die bewusste oder unbewusste Intention, dass man eine bestimmte Seite von sich verbergen oder zeigen möchte, damit man für einen kurzen Moment etwas glücklicher oder besser aussehen könnte.
Man ist fremd solange man sich fremd fühlt. Man kann sich in sehr kurzer Zeit völlig vertraut fühlen oder aber gänzlich fremd bleiben. Fremdheit jedoch macht Angst. Gleichzeitig geschieht die intime unerklärbare Wahrnehmung, des persönlichen Geruches oder der Energie der fremden Person.