Die neuste Serie SIMULTAN des koreanischen Künstlers Kyungwoo Chun besteht aus stets in Dyptichen arrangierten Photographien, die Gruppen von jeweils gleichaltrigen Personen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven einander gegenüber stellen.

Chuns dialogorientierte Arbeitsmethode wird in dieser Serie auf einen größeren Protagonistenkreis ausgeweitet. Die zwei Aufnahmen welche die Diptychen bilden, wurden gleichzeitig mit zwei unterschiedlich positionierten Kameras als Langzeitbelichtung während des Dialogs aufgenommen. Den teilnehmenden Personen war bewusst, dass Sie aus zwei Blickwinkeln beobachtet werden. Auf diese Weise macht der Künstler die vielfältige Beziehung zwischen Ihnen und den stattfindenden Dialog gleichzeitig sichtbar.

Dem Bildbetrachter wird durch die Langzeitbelichtung eine verdichtete Situation gezeigt, welche in der Realität nicht wahrnehmbar ist. Dem Betrachter wird in den Diptychen eine neue Perspektive auf die Portraitierten ermöglicht, welche seine eigene Perspektive in Frage gestellt.
Kyungwoo Chun spielt mit der Erfahrung eines Betrachters, dass Ereignisse durch die individuelle Sichtweise eines jeden einzelnen anders interpretiert werden und wir dadurch immer wieder mit Missverständnissen konfrontiert sind. Die Betrachter behalten in dieser Ausstellung kein eindeutiges Bild eines ausgestellten Photos in Erinnerung, sondern lediglich die Erfahrung von zwei nebeneinander hängenden Bildern, die im Gedächtnis zu einem eigenen Bild zusammengestellt werden.

Anders als die erzeugte Illusion der Folge von Bewegungen in der Kinematografie, experimentiert Chun mit zwei simultanen Perspektiven welche eine ununterbrochene Verdichtung von Zeit und Dialog in einem vorgegebenen Zeitraum und in zwei Bildern ergeben.

Chuns Arbeiten werfen Fragen zu den Präsentationsmöglichkeiten der Medien Video und Photographie auf. Sie verursachen eine Wechselwirkung zwischen Wiedergabe und Fantasie von dem was gezeigt wird und was verschwunden ist.