Simultan

21.10.2010 - 22.01.2011


Wir freuen uns, Ihnen die dritte Einzelausstellung des koreanischen Künstlers Kyungwoo Chun ankündigen zu können. Neben einer Performance und Installation wird eine neue Werkgruppe zu sehen sein.

 

In der Performance und Installation PORTRAIT MADE BY HAND fordert der Künstler die Ausstellungsbesucher auf, Platz zu nehmen und auf einem Blatt Papier so präzise wie möglich zu beschreiben, wie das eigene Gesicht optisch aussieht. Diese Blätter werden dann gesammelt und ergeben so eine Wand mit individuellen Portraits.

Hiermit weitet Kyungwoo Chun die Möglichkeiten der klassischen Bildgattung des Portraits aus, die ihn schon seit Beginn seiner künstlerischen Laufbahn intensiv beschäftigt.

 

Die neuste SerieSIMULTAN von Kyungwoo Chun besteht aus Fotografien, die als Diptychen arrangiert sind. Sie zeigen Gruppen von gleichaltrigen Personen aus jeweils zwei unterschiedlichen Perspektiven.

Während Chun früher Einzelportäts dialogisch arrangiert hat, weitet er diese dialogische Situation nun auf einen größeren Protagonistenkreis aus. Die zwei Aufnahmen, welche die Diptychen bilden, wurden gleichzeitig mit zwei unterschiedlich positionierten Kameras als Langzeitbelichtung während einer Gesprächssituation aufgenommen. Den teilnehmenden Personen war bewusst, dass Sie aus zwei Blickwinkeln beobachtet wurden.

Durch die Langzeitbelichtung wird eine verdichtete Situation gezeigt, welche in der Realität nicht wahrnehmbar ist. Dem Betrachter wird in den Diptychen eine neue Perspektive auf die Portraitierten ermöglicht, welche seine eigene Sichtweise in Frage stellt.

Kyungwoo Chun spielt mit der häufigen Erfahrung (oder Alltagserfahrung) eines jeden Betrachters, dass Ereignisse durch die individuelle optische Wahrnehmung eines jeden Einzelnen unterschiedlich interpretiert werden und dadurch immer wieder Missverständnisse entstehen. Die Betrachter behalten in dieser Ausstellung kein eindeutiges Bild eines ausgestellten Fotos in Erinnerung, sondern lediglich die Erfahrung von zwei nebeneinander hängenden Bildern, die im Gedächtnis zu einem eigenen neuen Bild zusammengefügt werden.

Anders als die erzeugte Illusion der Folge von Bewegungen in der Kinematografie, experimentiert Chun mit zwei simultanen Perspektiven, welche eine ununterbrochene Verdichtung von Zeit und Dialog in einem vorgegebenen Zeitraum und in zwei Bildern ergeben.

Chuns Arbeiten werfen Fragen zu den Präsentationsmöglichkeitender Medien Video und Fotografie auf. Sie verursachen eine Wechselwirkung zwischen Wiedergabe und Fantasie – von dem, was gezeigt wird, und dem, was verschwunden ist.