[rerecordingthesurface]

26.11.2005 - 11.02.2006


„Wir leben in paradoxen Zeiten. Während der Kunstbetrieb immer stärker nach einer klaren künstlerischen Identität, nach immer wiedererkennbaren Markenzeichen verlangt, scheinen intellektuell doch nur Künstler auf der Höhe der Zeit, die Bilder oder Dinge herstellen, die in herkömmliche Kategorien nicht passen, vielleicht sogar paradox sind. Und das tut der 1966 in München geborene und dort lebende Tom Früchtl.
Ein Paradox in seinem Werk ist zunächst, dass er sowohl an die Tradition des Illusionismus anknüpft als auch an die Versuche, ihr weitestgehend zu entkommen. Und die Illusion wird fast immer erst auf den zweiten Blick deutlich. So nimmt man den „Vorhang“, den Früchtl als heutiger Parrhasios auf die Papiertüte gemalt hat, im ersten Moment ebensowenig wahr wie bei den Kartonskulpturen, die entweder an der Wand hängen oder wie ein zufällig abgestellter Haufen eine scheinbar nicht-intentionale Skulptur bilden. Die Farbflecken und Klebebänder, die man zunächst als gewöhnliche Gebrauchsspuren wahrnimmt, sind sorgfältig auf die Kartons gemalt. Noch versteckter sind die Eingriffe bei den Möbeldecken, die Früchtl 2002 auf verschieden große Keilrahmen gespannt hat. Die schmutzig grauen, aus geschredderten Altkleidern hergestellten Decken sind bei genauerem Hinsehen von einer Vielzahl kleiner farbigen Fäden durchzogen, die von den verarbeiteten Kleidungsstücken stammen. Früchtl übermalt die einzelnen Fäden mit der jeweiligen Farbe und hebt sie dadurch hervor, so dass der Eindruck eines All-Over-Gemäldes entsteht, das an Werke der informellen Malerei und vor allem an Drippings von Jackson Pollock erinnert.“

aus L. Seyfarth „Kunsttermine“ Thema,  2005

Die malerisch imitierten Oberflächen der „Bild –Objekte“ geben vor etwas zu sein, das tatsächlich bereits darunter verborgen liegt. Tom Früchtls Arbeiten bewegen sich wie in einem Loop zwischen  Sein und Schein, Original und Abbild, Bezeichnetem und Bezeichnendem.