Ausstellungen



Herbert Hinteregger

01.05.2007 - 16.06.2007


Einführung: Mag. Andreas Spiegel, Vizerektor der Akademie der Bildenden Künste Wien,
Kurator und Prof. für Medientheorie

Bernhard Knaus Fine Art zeigt in einer zweiten Einzelausstellung neue Arbeiten des österreichischen Künstlers Herbert Hinteregger. Seine Werke sind vor allem Ausdruck ihrer eigenen Gegenständlichkeit. Monochrome weiße, nur mit Grundierung bearbeitete Leinwände, auf denen Strukturen, Linien und Rasterungen deutlich werden.
Wie schon bei seinen Werken mit Kugelschreibertinte hebt Herbert Hinteregger die Wirkung der Farbe und der Leinwand in deren Materialität und Oberflächenstruktur hervor. Dabei trägt er die Grundierung schichtweise auf, so dass die Struktur der Leinwand noch deutlich zu erkennen bleibt, aber auch durch die Farbe eine Rasterung entsteht.
Die Leinwand als räumlicher Gegenstand einerseits und Bearbeitungsoberfläche andererseits bildet in Verbindung mit der Farbe, die alles Licht in sich aufnimmt, eine Art Relief, eine räumliche Struktur.

 

Text zu der Ausstellung:

Herbert Hintereggers vier Bilder erschließen sich nicht leicht. Sie fordern Konzentration ein, genaue Betrachtung. Reliefartig, präzis, und für das Auge herausfordernd ziehen sich bei den drei weißen Gemälden Linien über das Bild, jedoch nicht ganz bis zum Rand. Ein Rand des weiß grundierten Bildes wie auch der Raum zwischen den Linien lässt die Leinwandstruktur erkennen. Dem Betrachter wird das Gegenständliche der Bilder deutlich, gerade auch durch die Hervorhebung der Linien, die auch in derselben weißen Grundierfarbe ausgeführt sind und denen nichts Gestisches anhaftet. Nun sind Reliefs meist aus festen Materialien hergestellt, Herbert Hinteregger bezieht sich mit Keilrahmen und Leinwand jedoch auf die Tradition der Malerei. Gerade dazwischen, zwischen Gemälde und Relief und der Benutzung von Grundierfarbe als Farbmittel stellt sich eine Spannung ein, die Fragen eröffnet. Die Titel, meistens bei Herbert Hinteregger „Untitled“, ein näherer Verweis nach einem Ort oder einer Landschaft jedoch in Klammern gesetzt dahinter, sind insofern in ihrer Bedeutung wieder relativiert. Sie geben einen Hintergrund für die Bildfindung des Künstlers an, die auch für den Betrachter einen Bezug herstellen, wenn auch chiffriert. Er verweist darauf, dass die Bildfindung erinnernden Charakter, Bezug nehmenden hat. Sie sind also nicht rein abstrakt, synthetisch, obwohl die Bilder auf den ersten Blick so erscheinen mögen. Es gibt zwischen den Linien Zwischenräume. Gehören diese konstituierend mit zum Bild? Ist das ein gemeinsamer Raum? Der des Betrachters und der des Künstlers zugleich? Die Zwischenräume könnten imaginär durch die Möglichkeit ihrer Fortführung im Raum noch weiter ausgreifen und die Linien durch Ihre Körperlichkeit, ihre reliefartige Hervorhebung weitergedacht noch zusätzlich Platz einnehmen. Ist das Bild fertig? Keine Farbe, die Nichtfarbe Weiß. Lichtschluckendes Weiß, kein Glanz. Vielleicht wäre es eine Lesart zu behaupten, Herbert Hinteregger kritisiert und behauptet sich vor einer geisttötenden Bilderflut durch Respekt vor sich und dem Betrachter, indem sich das Bild zwischen Betrachter und Künstler befindet, immer neu und immer wieder anders. Kunst als Kommunikator. Das Spiegelbild (Kugelschreibertinte mit einem Schwamm auf das Glas aufgetragen) verdeutlicht dies noch mehr. Auch der vorgefertigte Spiegel schafft Raum: Die Illusion des Betrachters im Spiegelbild und die Farbe dazwischen, als Konkretes. Farbe als Material, das künstlerische Medium schlechthin. Um nicht immer nur sich selbst im Bild wieder zusehen hat Herbert Hinteregger seine Kunst dazwischen gebracht.

Axel Jablonski , 2007