gracehoper

11.09.2015 - 14.11.2015

Harald Kröner

gracehoper ist nicht nur titelgebend, sondern als Neonschriftzug Teil der Ausstellung, welcher nach einer handschriftlichen Vorlage des Künstlers gefertigt wurde. Gleichzeitig ist das Wort gracehoper ein Kunstwort, eine kreative Weiterentwicklung des Worts grasshopper - eine von vielen in James Joyce`s Finnegans Wake. Während man sich also in den durchaus auch sinnhaften Gnaden-Erhoffer einzudenken versucht, hüpft der Grashüpfer immer neben her.

Diese nicht ganz festzumachende Sinnverschiebung, das Abgleiten an nur einer bestimmten Bedeutung rückt Kröner hier in den Mittelpunkt, er beschreibt das als „den gleitenden Zwischenraum, in dem auch Zeichnung stattfindet“. Dem Künstler geht es mithin um die Frage nach der Verfügbarkeit einer – in seinem Fall ungegenständlichen -  Kunst: Kunst als einer Gestalt, die immer Wissen in ein Verhältnis zu Nichtwissen stellt. Es geht nicht um die Herstellung greifbarer Mitteilungen sondern um Erfahrungen über die wir nichts wissen, die aber möglicherweise kostbarer sind.

Kröner hat mittlerweile eine ganze Reihe von Arbeiten im öffentlichen Raum realisiert, und so sehr dort fast immer Texte eine wichtige Rolle spielen, so sehr hat er Texte bislang aus dem Ausstellungskontext herausgehalten. Insofern stellt der Schriftzug eine neue Querverbindung her.

In der aktuellen Ausstellung zeigt Kröner weiterhin Werke aus drei Serien von Zeichnungen: schwarzwasser, monophthong und cut.

monophthong hängt lose mit yappanoise – seiner ersten Serie von grossformatigen Tuschzeichnungen zusammen, bei denen sorgfältig  austarierte Lauflinien in unterschiedlichen Graustufen zusammen mit Falten und Schwärmen von farbigen Markierungen luftige Räume mit grossen Leerflächen aufspannten.

Die Werke aus der Serie monophthong sind kleiner - sie entstehen durch das Zerschneiden einer sehr grossen Papierarbeit, deren Einzelteile weiter bearbeitet werden. Dadurch wird der ursprüngliche Zustand zerstört und umgepolt, die Ursprungszeichnung fächert sich in beliebig viele neue auf.

Kröner untersucht, wie die typischen grossen Leerräume und die lang laufenden Linien, der Atem der grossen Zeichnung letztlich wieder in den kleinen  aufbewahrt bleiben. Dies reflektiert auch der Titel der Serie: monophthong ist der Ein-Laut, Vokal, die kleinste Spracheinheit.

In schwarzwasser, der aktuellen Serie großformatiger Papierarbeiten ist die gesamte Oberfläche mit einer glänzenden Lackschicht überzogen und wird lediglich von wenigen Graten rhytmisiert. Diese werden durch ihre Wölbung zu Lichtfängern und reflektieren das Umgebungslicht in immer wieder anderer Form.  Auf die Flächen zwischen diesen Graten sind kleine Fragmente unterschiedlichster Herkunft eingelegt und der schwarzglänzende Lack hat diese während seiner langsamen Trocknung oft völlig durchtränkt und aufgesogen so dass sie halb in der Haut verschwunden sind, fast wie Tattoos. Insgesamt entsteht dadurch eine Zufallsverteilung in einem schwarzen Fluss, der diese malerischen Reste mitnimmt.

Die verwendeten Fragmente stammen aus dem Materialfundus des Künstlers und sind oft immer und immer wieder bearbeitet und aus anderen zeichnerischen Kontexten herausgelöst worden. Manchmal sind sie bedruckt, mittlerweile tauchen auch Ausrisse aus Kunstmagazinen auf oder ein Stück Fischhaut. In einer der letzten Ausstellungen hat ein Kritiker in einer schwarzen Lackarbeit das sehr kleine Wort dead gefunden und die Vermutung angestellt, es könne bei diesen Arbeiten um Blackwater und die Machenschaften der Waffenindustrie gehen – für Kröner ein interessanter Ausflug in einen Ereignisraum, den er bewusst auszudehnen scheint ohne sich aber  auf ein politisches Statement festzulegen, eher legt er Fährten für den Betrachter aus. schwarzwasser wird hier in mehrfacher Hinsicht zu einer spiegelnden Projektionsfläche.